residuen

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1.
pflaster 04:16
Keiner darf merken, wenn es in Dir zuckt! Ein lautes Signal steigt auf mit viel Druck! Du möchtest schreien! Denn Du bist anders… bist nicht in Ordnung! Und kommt es raus... so ist es wie ein Zeichen! Du bist verwundet, hast Dich geschnitten! Jetzt redest Du über das Wetter und gehst aus mit Deinem Hund, machst fleißig Deinen Job, und sagst Du wärst gesund. Das sind Zeichen zur Bewältigung einer kaputten Identität! Zerstört durch Ketten der Konformität. Korrigieren – nicht lallen! Kompensieren – vielleicht an Karneval! Kaputte Welt schafft korrigierte Menschen! Du täuschst und kuvrierst, denn Dein Ich, das isoliert! Anmerkungen: Als Zeichen (oder auch Stigmatas) werden Eigenschaften von Personen genannt, die zutiefst diskreditierend sind. Individuen besitzen Merkmale, die sich der Aufmerksamkeit aufdrängen und bewirken können, dass man sich von ihnen abwendet. Um nicht diskreditiert zu werden, versuchen die Individuen durch Täuschungen, Kaschierungen und gezielter Informationskontrolle ihre Zeichen zu verbergen. Die totalitäre Gesellschaft akzeptiert keine radikalen Abweichungen und wirkt normalisierend auf die Individuen ein. (angelehnt an Erving Goffmann 1962)
2.
MARTER, MARTER! Früher da stand ein König und heute da peitscht die Norm. Das hier und jetzt ist gesittet Kerker, Ketten, Staub! Soziale Dressuren ökonomischer Körper. Verhalten geregelt, Verhalten genormt zur Effizienz, zur Produktivität! ALGORHYTMEN! ALGORHYTMEN! Alles andere wäre Wahnsinn, wird integriert und nivelliert. Erfasst und geordnet, Seelen diszipliniert. Soziale Dressuren... Was Du denkst und was Du fühlst von Wächtern kategorisiert. Aus Angst vor ungeordnetem Verhalten. Die Delinquenz wird ausradiert! Zur Kontrolle durch Selbstkontrolle, weil wir ein Arschloch sind! Anmerkungen: Den Übergang von der absoluten Macht zur Disziplinargesellschaft verortet Foucault beim Übergang vom öffentlichen, peinlichen Strafen durch die Marter zum Reglement (Hausordnung) eines Gefängnisses in Paris (1883). Diese neue Strafform der Disziplinierung zielt nicht mehr NUR auf den Körper ab, sondern auf die Seele (Psyche, Triebe, Bedürfnisse) eines Delinquenten. Dieser soll aber nicht mehr gequält werden, sondern diszipliniert. Er soll strikten Normen unterworfen werden, um ihn produktiv, gelehrig und nützlich zu machen.Unter der Demokratie befindet sich ein Unterbau! Formell haben viele die gleichen Rechte, aber die Disziplinen unterwerfen die sozialen Körper. Im neoliberalen Zeitalter der radikalen Ökonomisierung aller Bereiche, mit strikten Lehrplänen, Kompetenzerwartungen, Prekarisierung, Billiglohndumping, radikaler Konkurrenz, Arbeit und Fleiß ist Foucaults Ansatz aktueller den je!
3.
Gegen das Sakrale! Gegen das Okkulte und auch jede Esoterik, jede Esoterik! Es gibt kein Gott, kein Geist, keine höhere Macht… weder im Himmel, der Hölle oder der Natur! Sapere aude! Ein Verstand blüht stärker als jede OrchIdee! Dein Kristall, er speichert, deine Energie! Wasser hat Gedächtnis ist deine Theologie! Es gibt kein... Sapere aude! Ein Verstand... Anmerkungen: „Sapere Aude“ galt als Wahlspruch der Aufklärung. Aufklärung ist nach Kant „der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne die Leitung eines anderen zu bedienen. Sie wendete sich z.B. gegen „die von Gott gewollte“ Weltordnung“ und ebnete den Weg für Wissenschaft, kritisches Denken und auch Widerspruch. Das Lied bezieht aus einer atheistischen Perspektive eine Kritik über eine dritte Glaubensrichtung mit ein: die Esoterik! In der heutigen Zeit, in der Verschwörungsglobulis gegen „die Schulmedizin“, Seelensteine und anderes esoterisches Gebämpels wieder (zum Teil durch einen „alt-germanischen“ Brauch in einem nationalistischen Kontext) vermarktbar und als Flucht vor der neoliberalen Rationalisierung dienen, ist „Geisterjäger“ unser persönliches Fuck off (bzw. sapere aude 2.0 – post mortem) gegen die esoterischen Trends!
4.
Zu sicher das Gefühl dort oben in der Burg, wo sie auch ist, wo sie auch ist. Der Sandmann, er hält die Sense, beraubt von Utopie und Klecksen. Wohnt im kalten Saum der Mauern, die Wappen kaum noch sichtbar. Die Ranken der Fassaden verdecken böse Geister. Dort oben, wo nichts und niemand inspiriert, dort wo kein neuer Gedanke sich verirrt, sind die Zugtore versperrt. Renovieren und Sanieren hilft hier längst nicht mehr. Richtung Unbekannt versperrt, nur die Suche nach Irritation. In seinen Adern nur noch Dystopie schreit er laut nach Hilfe... Reiss ein die alten Mauern, reiss ein den alten Schlachthof! Normal ist der Tod!
5.
Im Verborgenen… keiner sieht es. Denn es muss schweigen! Es darf nicht reden, darf nicht reden! So muss es sterben… Dein Gewissen! Denn es muss schweigen. Es darf nicht reden, darf nicht reden! Er ist der Metzger, er ist Patriarchat! Er ist stark, er ist stark! Er macht das, was sonst keiner mag. Er ist hart, er ist hart. Deine Weste… sie bleibt sauber. Weiß und rein… Ganz ohne Blut, ganz ohne Blut! Er ist der Metzger... Er ist der Metzger, er macht seinen Job, er macht aus Leben ein(Fließband-)produkt!
6.
Unser Körper wurde Biopolitik, ist Klasse und Geschlecht, ist ethnisch kulturell geprägt, schlägt Profil, Macht und Kapital. Es gibt kein gesundes Leben im Kranken! Dein Körper will Ästhetik, hat Entwurf und Idee! Dein Körper ist Portfolio, effizient im Fitnessstudio. Es gibt kein gesundes Leben im Kranken! Mein Körper ist ein Arschloch, pathologisch und kaputt, deformiert und abgespeckt, lethargisch und korrupt. Anmerkungen: Ein sexy Anti-Hero-Song. Gibt live viel Antrieb und Bewegung (oder eben auch nicht – Punkt)!
7.
Ob in Berlin-Hellersdorf, bei Tante SPD in Hamburg. Im ach so ruhigen Hinterland, oder in Berzdorf an `ner Tanke. Es ist nicht nur der Neonazi; es ist Dein Bäcker um die Ecke. Es ist ihr „Woher kommst Du?“ und „Was machst Du?“. Der geheime Bogen an den Ellen. Ob in Duisburg auf Hochheide, im Management des Biomarkts. In Ritual und Institution gegossen, ach so getarnt im Strukturellen. Die Scheiße, ein Problem der Mehrheit; nicht nur eines „rechten Rands“. Im tiefen Sumpf des Bürgertums, da sitzt die graue Wanze. Dick und fett und unbestimmt, vollgefressen tanzend. So, we don’t care where you from, refugees wel(l)- welcome!
8.
Das institutionelle Ungeheuer; es schaltet und waltet, es kaschiert und retuschiert. Das große Monster frisst die Kleinen im Wolfsgesetz der Konkurrenz. Doch Wölfe sind freier und zahmer zudem im Rudel noch sozialer. Leviathan - Naturalisierung meines Ichs Leviathane - sie beobachten mich! Dem Leviathan seine Allmacht gegen jeden Widerstand. Im Königreich der Finsternis; meine Autonomie beschränkt auf dich. Leviathan - Ewig hinter feindlichen Linien? Leviathan - Einen dicken Strick für Dich! Anmerkungen: Nachdem der Rechtsphilosoph Thomas Hobbes den Menschen vom Wesenszug (anthropologisch) als „Wolf“ festgeschrieben und in seiner Eigenschaft „im Wolfsgesetz der Konkurrenz lebend“ naturalisiert hat, begründete er die „notwendige Zwangsgewalt: den Staat, der über den Individuen stehen muss. Dieser Institution gab er den Namen des biblischen Ungeheuers 'Leviathan'. Die vielen kleinen Ungeheuer sollen durch das große Gesamt-Ungeheuer des staatlichen Leviathans gebändigt und an die Kette der Ordnung gelegt werden, damit sie Verträge miteinander schließen können, ohne gleich danach mit Zähnen, Klauen und Messern übereinander herzufallen.“ (nach Robert Kurz 2009)

credits

released March 8, 2019

aufgenommen, gemischt & gemastert:
Mario Dahmen @ Liquid Äther Audio (Schleiden, Jul/Aug 2018)

Artwork & Layout:
Tobi Bergmann (Papiergestalt)

Label:
Disentertainment

Vertrieb:
Broken Silence

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